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Buchtipp: Der Milchmann in der Nacht (Andrej Kurkow)

23. April 2012
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Auf den Autoren bin ich vor einigen Jahren im Theater gestoßen. Bei irgendeiner Veranstaltung las ein Schauspieler Ausschnitte aus dem Buch „Picknick aus dem Eis“. Danach wollte ich unbedingt mehr über den Romanhelden Viktor und seinem Mitbewohner Mischa, einem Pinguin, erfahren. Schon auf dem nächsten Flohmarkt fiel mir genau dieses Buch und sein Nachfolgern, „Pinguine frieren nicht“, in die Hand. Seitdem ich diese Bücher gelesen habe, greife ich eigentlich blind zu, wenn vorne  der Name Andrej Kurkow draufsteht. Der Autor wurde in St. Petersburg geboren und lebt in der Ukraine, wo seine Bücher auch spielen.

„Der Milchmann in der Nacht“ ist ein Roman, der sich keinem Genre zuordnen lässt und dabei auf humorvolle und makabere Weise unterhält. Vom Verlag wird das Buch als „dreifache Liebesgeschichte, schwarze Komödie, Krimi und politische Satire zugleich“ angekündigt. Dahinter könnte man Unentschlossenheit vermuten oder eine Methode, um eine möglichst große Leserschaft zu erreichen. Bei Kurkow ist es aber mittlerweile ein Markenzeichen. Er mischt skurrile Geschichten, die völlig absurd erscheinen, mit der sehr realen und aktuellen politischen Situation der Ukraine.

In dem Roman stehen drei Paare im Mittelpunkt, deren Geschichten parallel erzählt werden. Irina verdient ihr Geld damit, dass sie ihre Muttermilch verkauft. Sie verliebt sich in Jegor, der für einen Abgeordneten arbeitet. Dima ist Sicherheitsbeamter am Flughafen und verheiratet mit Walja. Schlafwandler Semjon wird von seiner Frau des Ehebruchs verdächtigt. Nicht nur seine nächtlichen Erlebnisse bringen den Leser zum Schmunzeln und Staunen. Da wären außerdem eine Frau, die ihren toten Mann wie ein Tier präparieren lässt um ihn dann zu sich in die Wohnung zu holen und geheimnisvolle Ampullen, deren Inhalt nicht nur Menschen furchtlos macht.

Es hat eine Zeit gedauert, bis ich einen Überblick über die vielen Teilgeschichten und ihre Akteure bekommen habe.  Durch die russischen Namen und Koseformen war es für mich zusätzlich schwer. Aber es hat sich gelohnt und das buch entpuppte sich als uneingeschränkter Lesespaß (vielleicht abgesehen vom Ende). Andrej Kurkow schreibt poetisch und ist trotzdem ganz nah an den Figuren und ihrer harten Realität. Es ist eines dieser Bücher, aus denen man sich einige Sätze ganz groß ausdrucken und an die Wand hängen möchte. Da wünscht man sich, dass das Ende nach 544 Seiten weniger glatt wäre. Aber die Mischung aus Kurkows Phantasiegeschichten und politischer Realität macht das Buch auf jeden Fall lesenswert.

Andrej Kurkow: Der Milchmann in der Nacht. Aus dem Russischen von Sabine Grebing. Diogenes Verlag, 544 Seiten, 11,90 Euro.

P.S.: Natürlich habe ich mittlerweile auch „Der Gärtner von Otschakow“ gelesen. Rezension folgt!

3 Kommentare leave one →
  1. 1. Juni 2013 14:22

    Also, ich weiß nicht. Mir ging die Geschichte einfach zu schnell und war mir zu viel Action verbunden. Sicherlich spielte Kurkow mit dem satirischen Aspekt, erinnerte mich alles aber mehr aber an Seifenopern.

    PS: Freut mich, einen weiteren interessanten Blogger gefunden zu haben, der zudem Leidenschaft für Kurkow verspürt😉

    • 1. Juni 2013 18:24

      Ich fand andere Bücher von ihm auch besser, aber es ist immer noch ein ordentlicher Kurkow.😀 Willkommen im Club!

Trackbacks

  1. Buchtipp: Der Gärtner von Otschakow (Andrej Kurkow) « irrewirre

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