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Buchtipp: Objekttheater (Gyula Molnàr)

23. April 2012

Das Deutsche Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst ist der Herausgeber des Buches und hier in Bochum ansässig. Seit 2007 bin ich regelmäßig dort und auch auf dem jährlichen Festival FIDENA zu finden. 2011 wurde die deutsche Fassung des Buches im Rahmen des Festivals vorgestellt.

Hinter dem Titel “Objekttheater. Aufzeichnungen, Zitate, Übungen” könnte man ein staubtrockenes und langweiliges Fachbuch vermuten. Bereits das schöne Cover belehrt uns aber eines besseren und tatsächlich hatte ich sehr viel Spaß beim Lesen. Nachdem ich Gyula Molnàr auf der Bühne gesehen hatte, hätte mich alles andere auch gewundert.

Gyula Molnàr ist einer der bekanntesten Spieler des Objekttheaters und hat mit dem Stück “Drei kleine Selbstmorde” einen Klassiker geschaffen. Der gebürtige Ungar lebt schon lange in Italien und arbeitet in ganz Europa als Schauspieler, Autor und Regisseur. Er hat sein Wissen in vielen Workshops weitergegeben und dann dieses Buch geschrieben, in das seine ganzen Erfahrungen eingeflossen sind.

Es richtet sich sicherlich stark an Objekttheaterspieler, aber eben nicht nur. Das Buch enthält zwar viele Anregungen für Spieler und beschäftigt sich oft mit dem Verhältnis von Schauspieler und Objekt. Es ist aber auch für interessierte Zuschauer geeignet. In gewisser Weise öffnet es dem Leser die Augen. Im Klappentext wird eine italienische Theaterzeitschrift zitiert, die das sehr passend zusammenfasst:
“Gyula Molnàrs Buch macht Mut, sich beseelen zu lassen von dem, was einem im täglichen Leben begegnet, und in dem, was uns umgibt, eine ständige Inspirationsquelle zu sehen.”

Wer mit dem Gedanken spielt, sich mal in dieser Theaterrichtung auszuprobieren, liegt mit diesem Buch auch richtig. Es ersetzt natürlich keine Ausbildung, aber es beschäftigt sich mit einigen Grundsätzen dieser Kunst. Außerdem gibt Gyula Molnàr sehr genaue Anweisungen zum Spiel der kleinen Selbstmorde. Dabei geht er haarklein auf die Requisiten, Vorbereitung der Bühne und auf sehr amüsante Weise auf die ganz speziellen Probleme eines Schauspielers, der hinter dem Vorhang auf seinen Auftritt wartet.

Molnàr schafft eine Mischung aus Anleitung, Poesie und Witz. Das hat nicht nur mit dem erzählerischen Talent des Autors zu tun, sondern auch mit der Struktur. Die Beschreibungen von Übungen wechseln sich ab mit kurzen Erzählungen, Kommentaren, Zeichnungen und Zitaten von Künstlern und Wissenschaftlern. Es gibt auch einige Textstellen, die sich nicht auf den ersten Blick erschließen. Diese muss der Leser sich selber erarbeiten, genau wie der Zuschauer im Objekttheater.

Das Buch schafft es sicher, auch Einsteiger für diese Theaterform zu begeistern. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass man dem Buch anmerkt, mit wie viel Begeisterung es erarbeitet wurde. Die Projektkoordinatorin Anke Meyer vom Deutschen Forum für Figurentheater und Puppenspielkunst bezeichnet die Zusammenarbeit mit Gyula Molnàr als Bereicherung und ich würde sagen: Das Buch ist auch eine Bereicherung für jedes Bücherregal. Wer sich also nur im entferntesten vorstellen kann, dass das Thema ihn interessieren könnte, sollte sich dieses Buch besorgen.

Gyula Molnàr: Objekttheater. Verlag Theater der Zeit, 132 Seiten, 15 Euro.

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