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Nahaufregungsgebiet Kemnader See

27. Juli 2012

Seit einigen Tagen fahren wir jeden Morgen zum Kemnader See um ein paar Kilometer mit unseren Inlinern zu fahren. Wir fahren nicht rundherum, denn dafür ist uns der Bodenbelag einfach zu schlecht und da siegt die Faulheit dann über den sportlichen Anspruch. Die langersehnte Inlinerstrecke um den See lässt aber weiterhin auf sich warten. Aus einem Bericht der Ruhrnachrichten vom 07.07.2012 geht hervor, dass nächsten Monat endlich mal mit dem Bau der Teststrecke begonnen werden soll. Wenn alles gut geht, ist die Bahn Ende 2013 fertig. Wenn der Winter dann trocken wird, können wir dort die erste Runde drehen. Dann bin ich gespannt, wie das Zusammenspiel der ‚3 Parteien‘ laufen wird. Schließlich schreiben die Ruhrnachrichten:

Am Südufer wird es streckenweise Kombinationen zwischen den Wegen geben, so dass sich Spaziergänger, Radfahrer und Skater den Weg teilen müssen. „Die werden dann aber optisch deutlich voneinander getrennt“, erklärt Perner.

Ich bin mal gespannt, wieviele Freizeitsportler dann auf die schiefe Bahn  falsche Spur gelangen, denn schon heute können einige Menschen die Schilder und die Beschriftung des Asphalts nicht entschlüsseln. Es handelt sich um die gebräuchlichen Zeichen, die eigentlich jeder aus dem Straßenverkehr kennt. Wer also auf einem Fahrrad sitzt, muss  nur vor der Fahrt gucken, wie sein Gefährt aussieht und dann dieser Silhouette als Symbol in weiß auf blauem Grund folgen. Klingt einfach, ist es aber scheinbar für viele nicht.

Wir mit unseren Inlineskates unterliegen ja nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes den Regeln für Fußgänger (siehe auch StVO §24) und benutzen daher (gemäß StVO §25) den Fußweg. Laut StVO §31 ist es uns sogar ausdrücklich verboten, den Fahrradweg zu benutzen. Ob diese Einordnung der Skater grundsätzlich richtig ist, kann man anzweifeln aber diese Diskussion möchte ich an dieser Stelle nicht starten. Am Kemnader See kann man froh über diese Einordnung sein, denn (wichtig für die weniger Trainierten!) der Radweg verläuft oft oberhalb des Fußwegs und man muss öfter kleine Steigungen hoch. Aber vor allem ist der Asphalt dort schlechter und wird immer wieder mal von einer Reihe Kopfsteinpflaster unterbrochen. Das ist weder angenehm noch sicher. Außerdem würde ich mich auf dieser Spur als Bremsklotz fühlen.

Da wir morgens fahren, wenn meist noch nicht so viele Leute am See unterwegs sind, hatten wir noch nie Probleme mit Spaziergängern, Joggern oder (Nordic) Walkern. (Abgesehen von den 2 Menschen mit ihrem Schäferhund, den sie kaum unter Kontrolle bekamen als er uns bellend hinterherlief und uns offensichtlich als seine neue Beute identifiziert hatte.) Die meisten gehen oder laufen eh am Rand und wir können gefahrlos vorbeifahren. Selbstverständlich rasen wir nicht an den Leuten vorbei (wir sind eh nicht die schnellsten…), sondern bremsen vorher ab und wenn Leute uns hören oder sehen und dann Platz machen, rufe ich ihnen noch ein ‚Danke!‘ hinterher.

So weit, so gut. Aber was machen die ganzen Radfahrer auf dem Fußweg? Das sind wirklich nicht wenige. Meine ‚Favoriten‘ sind die älteren Herren und solche, die wohl gerade in der Midlife-Crisis stecken oder wer weiß wen beeindrucken wollen. Diese Menschen haben offensichtlich sehr viel Geld investiert und zwar nicht nur in ihr Fahrrad, um das ich sie manchmal ein bisschen beneide, sondern vor allem in ihr Outfit. Selbstverständlich muss das professionelle Trikot zur Radhose passen, Schuhe und Strümpfe dürfen (im Ausnahmefall) farblich abweichen. Interessanterweise hat es bei einigen dann nicht mehr für den Kauf eines Fahrradhelms gereicht. Wahlweise wird dieser offen getragen oder auf dem Gepäckträger mitgeführt. Aber das Beste: ihr professionelles Aussehen wird in keinster Weise ihrem Tempo oder ihrem Fahrstil gerecht. An sich könnte ich über diese Typen lachen. Das würde ich aber gerne aus einiger Entfernung machen, also aus genau der, die zwischen dem Rad- und dem Fußweg liegt.

Liebe Radfahrer, benutzt doch die euch zugewiesene Spur! Es stehen wirklich an vielen Stellen Schilder und wo sich unsere Wege kreuzen, sind die Symbole oft auf den Boden gepinselt. Wenn ihr die nicht mehr erkennen könnt, solltet ihr über den Verkauf eures Fahrrades nachdenken (Ich suche ja noch ein günstiges Gebrauchtes!) und euer Leben als Fußgänger genießen. Und dann muss ich mich auch nicht mehr darüber aufregen, dass einer von euch Fußgänger und Inliner auf ihrem Weg zur Seite klingelt oder einfach mal so vorbeisaust und damit einigen Leuten einen Schrecken einjagt.
Nehmt euch mal ein Beispiel an den Ommas und Oppas, die mit ihren alten Stahlrössern munter die Steigungen auf dem Radweg nehmen!

2 Kommentare leave one →
  1. batti permalink
    27. Juli 2012 12:58

    … hmmm … ich möchte hier jetzt nicht beim Radler- oder Inliner-Bashing mitmachen.

    Gerade gestern befuhr ich mit meinem Stahlross aus Alu besagte Passage, als eine Inlinerin in gemächlichsten Tempo vor meinem Vorderrad auftauchte … ich überprüfte umgehend die Piktogramme, stellte eine ausreichende Ähnlichkeit mit meinem Fortbewegungsmittel fest und entschloss mich, die rollende Dame auf mein Begehren, sie linksseitig zu passieren, aufmerksam zu machen.

    Um sie nicht zu erschrecken, machte ich zunächst verbal auf meinen Wunsch aufmerksam … sie pendelte fröhlich weiter von links …. nach rechts … von rechts … nach links … „häääää-äääääm!“ … nichts änderte sich … während in meinem Hirn schon Berechnungen für die notwendige Geschwindigkeit zur Blitzpassage angestellt wurden … sinus der schwingungsfrequenz mal amplitude der schwingung plus zufallsstreuung durch ausweichbewegung vor gänsekot …

    Also während mein Hochleistungsrechner dabei war, auch noch die möglichen Folgen eines Deep-Impact auf Mensch und Maschine zu kalkulieren, meldete meine Optosensorik den Grund für das versagen der akustischen Kommunikation … die Berechnungen wurden einstweilen gestoppt … die Dame trug einschlägiges Phonozubehör am äußeren Ende ihres Hörapparates, das an eine entsprechende Einrichtung zur Wiedergabe von aufgezeichneten akustischen Werken angeschlossen schien. Zumindest deutete eine verdächtige Verkabelung auf diesen Umstand hin.

    Da die Rollermadame wahrscheinlich nicht über die Fahrassistenzsysteme der gehobenen Mittelklasse verfügte – Totwinkelassitenz, Rückfahrkamera, geschweige denn Spurhalteassistent – entging ihr zudem der Anblick eines durchaus attraktiven und vollkommen durchgestyleten (tolles Trikot, profimäßige Hose, coole Brille und geiler Helm) männlichen Radlers hinter ihr. Was allerdings zu meiner Not führte, in ihrem Träumtrödeltrallalatempo hinter ihr her zu fahren … UND JETZT!?!?!??

    Wenn Du das Szenario auf einer Strecke von 15 km mindestens 5-8 mal in immer neuer Inszenierung erlebst, wirfst Du entweder irgendwann Deinen Helm weg und wirst zum Selbstmordradler oder Du weinst leise und versinkst ob der Ignoranz so vieler Menschen in einer gemütlichen Depression.

    • 27. Juli 2012 17:32

      Die Situation kann ich mir sehr gut vorstellen und habe beim Lesen auch viel Spaß gehabt. Ich bin ja auch gerne mit dem Fahrrad unterwegs und weiß ja wie nervig das ist, vor allem wenn es gerade der Typ Ruderer ist, der 3 von 2 Metern Radnweg einnimmt. Ich amüsiere mich ja gleichermaßen über die Mädels die mit ihren Achselschweiß-Auffangtaschen fahren oder über die eine oder andere Stockente. Meine ‚Zuschauer‘ regen sich wahrscheinlich auf, dass ich so langsam hinter meinem Mann hertuckere und finden meine Schutzkleidung lächerlich.
      Ich will keinem den Spaß am Fahren, Gehen oder Rollen nehmen und hoffe ganz im Gegenteil, dass sich der eine odere andere vielleicht an dem Text erfreut uns sich danach verdammt noch mal auf seinen eigenen Weg verpisst.
      Nein, mal im Ernst: Ich bin ja froh um jeden, der sich da mehr oder weniger sportlich betätigt und werde auch in Zukunft keine physische Gewalt anwenden, um die Leute ‚auf den richtigen Weg zu bringen‘. Also rauf auf’s Rad! Wenn es so weiter regnet, bleiben meine Inliner morgen unangetastet. Aber dann kann ich ja mit dem Rad auf Bochums Fußwegen fahren. Aber die Bochumer Radwege sind dann noch mal ein anderes Thema!🙂

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