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Schützt mich vor Schutzumschlägen!

6. September 2012

Ein völlig subjektives und nicht ganz ernst gemeintes Plädoyer gegen den Schutzumschlag

Die Stiftung Buchkunst hat den Titel „Das schönste deutsche Buch“ an Judith Schalanskys „Der Hals der Giraffe“ (Suhrkamp) vergeben. In der Begründung der Jury wird darauf hingewiesen, dass das Buch keinen Schutzumschlag hat.
Ich habe nie verstanden, was ein Schutzumschlag soll. Ja, das Buch schützen natürlich, aber vor was oder wem? Wenn ich mir ein Buch mit Schutzumschlag zu meiner Lektüre erwählt habe, lege ich als erstes den Schutzumschlag zur Seite, denn ich finde ihn einfach nur unpraktisch. Sobald ich das Buch aufgeschlagen habe, ist er mir im Weg. Manchmal kommt beim Auspacken eine kleine Überraschung ans Tageslicht, oft nicht. Auf Pappumschläge in undefinierbaren Farben kann ich gut verzichten. Bei den Büchern aus dem Diogenes Verlag bin ich zwiegespalten: Ich mag das Corporate Design wirklich (und dank diesem finde ich die Bücher im Regal besonders schnell), aber mit dem Schutzumschlag werden wunderschöne Leinenumschläge versteckt. Ganz schlicht einfarbig, bis auf das Feld mit der Angabe des Titels und des Autors, das schwarz hinterlegt ist. Ich würde mir die Bücher auch so ‚nackt‘ ins Regal stellen, wo sich einige ältere Schätzchen in ihrem Leinengewand zeigen und sich dafür nicht schämen müssen. Aber zurück zu meinen neuen Büchern mit Schutzumschlägen. Während ich so ein Buch lese, achte ich darauf, dass der Umschlag bloß nicht verknickt. Ich schütze ihn. Wenn ich das Buch gelesen habe, kommt der Schutzumschlag wieder an seinen Platz und das Buch ins Regal. Ich bringe es dann doch nicht übers Herz, ihn wegzuwerfen. Außerdem ist ja dort einiges an Informationen aufgedruckt. Aber wovor mein Buch im Regal geschützt werden muss, bleibt mir ein Rätsel. Der einzige Feind meiner abgestellten Bücher im Regal ist der Staub und der legt sich von oben auf die Seiten, also dort, wo der Schutzumschlag eben nicht ist. Wenn ich das Buch ein paar Mal hin- und herbewegt habt, bekommt der Schutzumschlag Macken, während das Buch meist noch tadellos sind.
Liebe Verlage, lasse euch etwas einfallen, wie ihr mich ohne Schutzumschlag für ein Buch begeistert. Der Suhrkamp Verlag hat’s vorgemacht und hoffentlich nicht bereut. Mehr davon!
Wenn ich Wikipedia glauben darf, sind übrigens die Engländer an diesem Irrglauben schuld. Vielleicht haben sie die Schutzumschläge eingeführt, um ihre Pommes nicht immer aus dreckigen Zeitungen essen zu müssen.
Ich frage mich jetzt, ob die Dissertation „Der Buchumschlag als Gegenstand kommunikationswissenschaftlicher Untersuchungen“ (Quelle 11 in dem verlinkten Wikipedia-Artikel) einen Schutzumschlag verpasst bekommen hat.

PS:
Es gibt, abgesehen vom Fehlen eines Schutzumschlages, noch viele andere Gründe „Der Hals der Giraffe“ zu lesen, die ich noch nachliefere.

4 Kommentare leave one →
  1. 6. September 2012 15:29

    Der englische Name für den Schutzumschlag verrät ja schon einiges über seine Funktion: dust wrapper oder auch dust jacket. Vor Staub soll er also schützen, das Ausbleichen des Einbandes verhindern, etc. – Autorinnen wie Enid Blyton haben übrigens den Schutzumschlag als Kunstwerk verstanden, der eine kostenlose Zugabe zum Buch war: http://www.enidblytonsociety.co.uk/author/illustrations/620wide+8873996.jpg

  2. 8. September 2012 13:13

    Ich lege Schutzumschläge zwar auch immer beiseite, aber ich finde sie nach dem Lesen doch sinnvoll, um das Buch zu schützen. Wie du schreibst, ist es allerdings schade, dass das „Innere“, also der eigentliche Einband, leider häufig wenig ansprechend gestaltet ist. Noch praktischer finde ich allerdings Schuber, die das Buch auch „von oben“ vor Staub bewahren – da gibt es auch ganz herrlich gestaltete Exemplare, beispielsweise von der „Anderen Bibliothek“. Liebe Grüße

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