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Alt, aber gut: Henry Slesars Krimigeschichten in „Das tödliche Telefon“

21. Dezember 2012

Wahrscheinlich geht es euch jetzt wie mir, als ich dieses Buch im Diogenes Katalog fand. Ihr fragt euch, wer Henry Slesar ist. Er wurde 1927 in New York geboren und arbeitete als Werbetexter, begann dann parallel mit dem Schreiben von Kurzgeschichten, Romanen, Drehbüchern und Hörspielen. Seine Kriminalgeschichten wurden in Alfred Hitchcocks Kriminalmagazinen veröffentlicht. Für Hitchcock hat er auch Drehbücher verfasst, die in der Reihe „Alfred Hitchcock Presents“ verfilmt wurden. Slesar starb 2002 und nun hat der Diogenes Verlag nach eigener Aussage seine besten Krimigeschichten unter dem Titel „Das tödliche Telefon“ herausgebracht.

Angekündigt werden die Geschichten als „Crime Stories with a Twist: Wie man auf elegante Weise aus Leuten Leichen macht“ und wenn man einen Lexikoneintrag mit diesem Titel schreiben müsste, könnte man so etwas wie „perfektioniert von Henry Slesar“ notieren . Denn in Slesars Geschichten wird nicht nur der Leser, sondern auch der Mörder oder eher: der Mensch mit einem Mordplan, überrascht. In dem Buch finden sich lauter fiese kleine Geschichten über die man auch lachen kann. Nach den ersten kann man sich sicher sein: Egal was man denkt, wie die nächste Geschichte ausgeht, der Autor führt uns an der Nase herum und lässt alles ganz anders ausgehen. Oft greift da das Prinzip: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Und Henry Slesar schaufelt seinen Figuren so schöne Gruben, dass es eine wahre Freude ist. Von den 20 Geschichten endet eine ohne Leiche, das war für mich auch die schwächste Geschichte. Einige sind nicht der große Knaller, aber der überwiegende Teil ist einfach großartig. Selten hatte ich eine Ahnung, worauf die Handlung hinauslaufen wird.

Man merkt einem Teil der Geschichten zwar an, dass sie schon einige Jahre alt sind. So werden sich einige kaum noch vorstellen können, dass man sich mit mehreren Wohnungen einen Telefonanschluss geteilt hat. Ach ja, der Krieg hat seine Spuren hinterlassen und Frauen gehen nur ausnahmsweise arbeiten. Wer sich daran nicht stört, wird bestens unterhalten. Für mich hat dieser nostalgische Eindruck einen besonderen Reiz. Ich habe ja auch die guten alten Edgar Wallace Krimis im Regal und das in schönen ollen Ausgaben, die wohl alle vor meiner Geburt erschienen sind. Und für die Jüngeren: Ihr kennt das Spiel Black Stories, oder? Wenn ihr das Spiel mögt, müsstet ihr dieses Geschichten lieben. Und seid froh, dass Henry Slesar daran nicht beteiligt war, schließlich wollt ihr eine Gewinnchance haben. Als Training dafür und natürlich weil es beste Unterhaltung ist, kann ich dieses Buch nur empfehlen!

Henry Slesar: „Das tödliche Telefon“. Diogenes Verlag, 288 Seiten, 9,90€.

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