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„Er ist wieder da“, aber meinetwegen kann er auch wieder gehen

12. August 2013

Das Buch ist schon einige Zeit auf dem Markt, das Hörbuch ebenfalls. Beide haben sich zu Bestsellern entwickelt und werden weiterhin massiv beworben. Irgendwann wurde ich daher neugierig und habe es bestellt. „Er ist wieder da“ von Timur Vermes in der Lesung von Christoph Maria Herbst. Da mein Rezensionsexemplar ja gratis war, habe ich den Preis nachsehen müssen, der wohl beim Kauf bereits für den ersten Lacher sorgen soll. 19,33. Dafür bekommt ihr 6 CDs mit einer Lauflänge von 411 Minuten. Das Buch hat übrigens 396 Seiten. Das ist nicht wenig und für mich auch schon eines der Probleme: Die Idee, Hitler im Jahr 2011 auferstehen zu lassen an sich ist interessant und führt auch zu einigen lustigen Situationen. Über die gesamte Länge trägt sie aber nicht. Das Buch hätte ich wohl nicht zu Ende gelesen, das Hörbuch hat dennoch für einige Unterhaltung gesorgt.

Zum Inhalt:

Hitler wird als Hitlerdarsteller für die Show eines türkischen Comedian entdeckt, in Folge dessen zum YouTube Star, bekommt eine eigene Sendung und dafür den Grimme Preis. Durch den Erfolg beflügelt, denkt er am Ende über eine eigene Partei nach.

Ich hatte vorweg die Befürchtung, dass mir Christoph Maria Herbst schon nach kurzer Zeit tierisch auf die Nerven gehen könnte. Seinen Hitler bzw. Hatler Auftritt im „Wixxer“ fand ich großartig, aber das war dann ja doch noch etwas anderes. Bei mir war es schon nach 10 Sekunden Hörbuch so weit. Das gerollte r und überhaupt die ganze Sprechweise haben mich fast in den Wahnsinn getrieben. Eine Minute später war der Ärger zum Glück verflogen und ich hatte meinen Spaß. Ich habe wirklich gelacht. Über die Geschichte und die Art, wie Herbst die verschiedenen Figuren spricht. Er schafft es wirklich gut, sie differenziert darzustellen. Sogar des Berlinern habe ich ausgehalten. Das war auch gut so, denn die Geschichte an sich verlor für mich schnell an Reiz. Nachdem ich mit CD 1 sehr viel Spaß hatte, wurden die Pausen zwischen meinen Lachern immer größer. So wie der Debutroman von Vermes angekündigt worden war, hatte ich erwartet, dass mir das Lachen im Halse stecken bleibt. Stattdessen blieb mein Lachen mit der Zeit einfach aus. Die Missverständnisse und die Tatsache, dass der Hörbuch-Hitler immer wieder für einen Comedian gehalten wird, sind schnell nicht mehr lustig und stattdessen habe ich darauf gewartet, dass ihm jemand erklärt, warum er keinen Pass mit dem Namen Adolf Hitler bekommen kann.

Es fehlte mir an Konflikten, um mehr als nur seichte Unterhaltung zu sein. Bei Vermes ist Hitler der Dumme und der soll unserer Gesellschaft wohl einen Spiegel vorhalten. Wie soll das funktionieren?

Natürlich muss der wiederauferstandene Hitler auch die NPD besuchen. Holger Apfel und seine Parteikollegen können in seinen Augen natürlich nicht bestehen. Wer das in lustiger sehen will, guckt die Neuesten Nationalen Nachrichten, die es schon seit Jahren als Rubrik bei extra 3 gibt. Okay, immerhin wird dieser Hitler von einer Nazi Schlägertruppe überfallen.

Timur Vermes: Er ist wieder da. Gelesen von Christoph Maria Herbst. Lübbe Audio, 6 CDs/411 Minuten, 19,33€.

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